Göteborgsvarvet 2015

Der grösste Halbmarathon der Welt in Göteborg, Schweden

Im Mai machten wir uns auf nach Göteborg. Unser Ziel: den grössten Halbmarathon der Welt zu laufen bzw. als Zuschauer zu geniessen. Wir, das sind Martin und Monika, Magali, Milena, Urs und ich. Da wir nicht nur Laufen sondern auch noch Göteborg erkunden wollten, flogen wir schon einige Tage vor dem Halbmarathon nach Göteborg. Swiss bietet eine direkte Verbindung von Zürich nach Göteborg an.

Göteborg bietet sehr viel und ist doch nicht zu gross, so dass man gut zu Fuss unterwegs sein kann und dabei viel sieht. Und mit einem Tagesticket für den öffentlichen Verkehr kann man sogar mit der Fähre auf die Schären vor Göteborg fahren. Wunderschön! Ich habe noch einige Reisetipps zu Göteborg in einem separaten Beitrag zusammengefasst.

Der Halbmarathon ist mit über 64’000 Anmeldungen und über 200’000 Zuschauern entlang der Strecke der grösste Halbmarathon der Welt. Deswegen haben wir uns schon am Donnerstag vor dem Lauf auf den Weg zur Expo gemacht, die in der Nähe des Stadions stattfand. Dort haben wir als erstes unsere Startnummern abgeholt und liefen danach durch die grosse Expo. Dort konnte man sich mit Rennverpflegung eindecken, die neusten Laufschuhe austesten und auch gleich kaufen (lohnt sich, die Preise waren sehr gut im Vergleich zur Schweiz), sich neue Laufbekleidung kaufen, verschiedene Wettbewerbe machen und auch das eine oder andere bekannte Gesicht antreffen. Ich habe letztes Jahr am Marathon in New York den Schweden Anders Forselius kennengelerent, der als „biking viking“ auf der ganzen Welt unterwegs ist und schon unzählige Marathons gelaufen ist. Und wisst ihr was? Er kennt sogar Aarau („You know, everybody knows Aarau!“).

Nach dem Besuch der Expo schauten wir uns das Stadion und das Start-/Zielgelände an und konnten langsam erahnen, was die Teilnehmerzahl von 64’000 Läufern bedeutet. Auch in der Stadt sahen wir immer mehr Leute mit Laufschuhen und fast alle Einheimischen sprachen uns an, ob wir auch am Varvet mitmachen würden. Man sagt also nur „Varvet“. Während der ganzen Wochen vor dem Halbmarathon finden auch unzählige andere Läufe für Gross und Klein, Jung und Alt, Läufer und Walker statt. Für jeden ist etwas Passendes dabei.

Am Samstag war dann der grosse Tag, Göteborgsvarvet, und wir machten uns nach einem guten Frühstück und einer kleinen Runde durch die Stadt auf zum Startgelände. Die städtischen Verkehrsbetriebe haben alle verfügbaren Fahrzeuge eingesetzt und wir fuhren wir mit einem wunderschönen Oldtimer-Tram richtung Stadion. Dort deponierten wir zuerst unsere Beutel mit Ersatzkleidern für nach dem Lauf und standen dann nochmals an vor einer riesigen Anlage mit Toiletten-Häuschen. Wahrscheinlich waren an diesem Tag alle in Schweden verfügbaren Toiletten-Häuschen in Göteborg! Und dann standen wir auch schon ein in unseren Startblock. Es gibt viele Startblöcke und die Starts finden von 13.00 bis 16.00 Uhr statt. Soviele Läufer sind es! Urs und ich hatten Glück und konnten schon kurz vor 14.30 Uhr starten, da wir als Charity-Läufer für die schwedischen „Clowns ohne Grenzen“ liefen. Martin, der sich normal angemeldet hatte, wurde im letzten Startblock eingeteilt und konnte erst um 16 Uhr starten. Wir hatten uns als Charity-Runner angemeldet, weil es keine normalen Startplätze mehr gab. Wir bezahlten einen kleinen Aufpreis, der gespendet wurde und durften in einer bunten Startgruppe laufen und wurden unterwegs immer wieder von Clowns angefeuert. Eine tolle Sache!

Der Start rückte immer näher und wir wurden mit Musik und Applaus auf die Strecke geschickt. Die ersten Kilometer führten durch den Park, der bis auf den letzten Platz besetzt war. Es herrschte richtige Volksfeststimmung und viele Göteborger nutzten den Tag, um im Park zu picknicken und die Läufer anzufeuern. Es gab schon einige Steigungen im Park, viele davon waren jedoch schön schattig und gut zu meistern.

Nach dem Park liefen wir durch ein Wohngebiet mit vielen Mehrfamilienhäusern. Dort sassen überall Leute in ihren Campingstühlen vor den Häusern, grillten Würstchen, tranken Bier, hörten Musik und genossen das schöne Sonnenwetter. Die Stimmung war echt toll! Wo sonst wird man an einem Lauf von tätowierten Rockern mit langen blonden Haaren angefeuert?

An der Strasse standen auch viele Kinder, die einem Hände entgegenstreckten zum abklatschen und uns Läufer anspornten.

Kurz nach diesem schönen Wohnquartier kam dann auch schon die Steigung hinauf zur Brücke Älvsborgsbron. Ja, genau, diese grosse Brücke. Der Anstieg war zwar anstrengend, aber die Aussicht von der Brücke über Göteborg war beeindruckend. Der Verkehr rollte neben den Läufern über die Brücke und immer wieder fuhren Autos vorbei, die hupten und aus denen „Heja heja-Rufe“ zu hören waren. Nach der Brücke führte die Strecke auf der anderen Seite des Flusses Göta älv nach Eriksberg. Dort hat es viele neue Wohnungen, viele davon in umgenutzten Industriebauten. Architektonisch sehr interessant anzuschauen, wie da aus einem ehemaligen Industriegebiet ein Wohngebiet entsteht. Die Strecke verlief grösstenteils dem Fluss entlang und überall applaudierten Zuschauer, die sich ein schönes Plätzchen am Fluss gesucht hatten, um den Lauf anzuschauen. Es gab unterwegs auch immer wieder Musik für die Läufer, Blasmusik, Rockbands, Schülerorchester, DJs, für Unterhaltung war gesorgt. Und verpflegt wurden wir Läufer auch genügend oft. Es gab ungefähr alle zwei Kilometer Wasser und an jeder zweiten Verpflegungsstelle auch Sportgetränke.

Kurz vor Kilometer 14 stieg die Strecke wieder an und wir nahmen die zweite grosse Brücke in Angriff. Die Götaälvbron führte uns wieder zurück auf die andere Seite von Göteborg, vorbei am rot-weissen Gebäude, das auch „Lippenstift“ genannt wird. Nach der Götaälvbron war es dann endgültig vorbei mit der Ruhe. Die Strassen waren gesäumt von Zuschauern. Hinauf zum Götaplatsen war die Strecke teilweise nur noch 2 Meter breit, weil soviele Leute zuschauen wollten und es alle paar Meter musikalische Unterhaltung gab. Beim Götaplatsen drehten wir eine Runde und bogen dann stadtauswärts richtung Stadion ab. Dort wurde es wieder etwas ruhiger entlang der Strecke.

Bei Kilometer 20 dann führte uns die Strecke wieder in den Park, den wir schon beim Start durchquert hatten. Dort herrschte nochmals eine super Stimmung. Und auch der letzte Anstieg vor dem Stadion war kein Problem mehr mit der grossartigen Unterstützung durch die Zuschauer. Der Einlauf ins Stadion und die letzten 100 Meter, bejubelt von vielen Zuschauern im Stadion, waren unvergesslich!

Im Stadion erhielten wir dann eine schöne Medaille, die sich sogar als Schlüsselanhänger verwenden lässt. Es gab Verpflegung und Getränke, sogar auch Milch und Kaffee, für die Läufer und viele glückliche Gesichter. Unsere Beutel mit Ersatzkleidern erhielten wir auch ohne Probleme zurück und konnten dann mit warmer, trockener Kleidung gemütlich den Weg zum Hotel zurück laufen.

Alles in allem ein wunderschöner Lauf bei bestem Wetter mit grossartigem Publikum, perfekter Organisation, freundlichen Schweden, tollen Reisebegleitern und vielen zehntausenden Mitläufern. Auch als langsame Läuferin ist man nie alleine auf der Strecke unterwegs. In Schweden läuft einfach jeder mit, egal ob jung oder alt, schnell oder langsam. Hauptsache ist, dass man dabei ist und Spass hat!

 

Herzliche Gratulation an Martin und Urs, ihr seid super gelaufen! Und vielen Dank an Monika, Milena und Magali für die Unterstützung entlang der Strecke!

(Fotos von Martin, Monika, Urs und mir.)

Switzerland Marathon Light 2015: Einmal rund um den Sarnersee

IMG_0915Bild vom Switzerland Marathon Light 2014 (Foto: alphafoto.com)

Anfangs September liefen wir zum zweiten Mal den Switzerland Marathon Light rund um den Sarnersee in der Schweiz. Ein Halbmarathon, der 2014 auf Initiative von Viktor Röthlin, Marathon Europameister 2010 in Barcelona, gestartet wurde. Die Strecke verläuft auf Asphalt einmal um den See mit wunderschönen Ausblicken auf die umliegenden Berge. Landschaftlich ein sehr empfehlenswerter Lauf!

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Der Lauf startete am Sonntagmorgen um 11 Uhr. Das Wetter war etwas bewölkt, die Temperatur lag bei ca. 15 Grad Celsius. Ideales Laufwetter also. Der Start erfolgte im Dorf in Sarnen, nicht weit weg vom Festgelände. Beim Überqueren der Startlinie klatschte Viktor Röthlin die Läufer ab und schickte sie mit viel Energie auf die Strecke.

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Von Sarnen läuft man auf der von Zuschauern gesäumten Hauptstrasse nach Sachseln, wo schon viele Musikgruppen und Zuschauer auf die Läufer warteten und sie beklatschten und motivierten. Am Ende von Sachseln gab es auch schon die erste Verpflegungsstelle mit Wasser und Isostar. Dort traf ich dann auch auf den 2h30min-Pacemaker. Es gab Pacemaker für verschiedene Zielzeiten und auch die langsameren Läufer wurden nicht vergessen. Es gab auch 2h-, 2h15min- und 2h30min-Pacemaker für den Halbmarathon. Super auch für uns langsame Läuferinnen und Läufer! Ich lief eine Weile lang mit dieser kleinen Gruppe um den Pacemaker mit und lernte dabei einige nette Läuferinnen kennen. Unter anderem Renate, die wie ich den New York City Marathon 2014 gelaufen ist. Und wir überquerten die Ziellinie fast gleichzeitig, doch kennen gelernt haben wir uns erst in Sarnen. Und sind schon in der Planung für ein neues Projekt: Jungfrau Marathon für langsame Läuferinnen…

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Von Sachseln führte die Strecke weiter nach Giswil, wo nach einem kurzen Bogen (um die 21.1km voll zu bekommen) der Weg zurück nach Sarnen führte. Jedoch am anderen Seeufer entlang. Nun begann der schönere Teil der Strecke, jedenfalls meiner Meinung nach. Es wurde etwas hügeliger, die Strecke führte auch mal durch den Wald und immer wieder hatte man wunderschöne Ausblicke auf den See und die Berge. Und unterwegs gab es immer wieder Musikgruppen zu hören. Ländlermusik, Alphorngruppen, Schulbands, Guggenmusik, für jeden war etwas dabei. Verpflegungsstellen gab es auch genügend, eine sogar mit Isostar Gel, damit man nochmals Energie für den Schlussspurt tanken konnte.

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Die Strecke führte weiter nach Wilen, mit einer schönen Steigung, und von dort wieder nach Sarnen. In Sarnen liefen wir nochmals einen Bogen durchs Dorf, bevor wir die letzten Meter unter die Füsse nahmen, um im Stadion im Seefeld, also gleich neben dem See, ins Ziel zu laufen. Dort wartete reichlich Verpflegung in flüssiger Form auf die Läufer, Rivella, Isostar, Red Bull, alkoholfreies Bier… Rund ums Festgelände konnte man sich verpflegen, die Stände der Läuferexpo besuchen, Fotos mit Viktor Röthlin schiessen, ein Konzert geniessen oder der Siegerehrung beiwohnen. Der schnellste Läufer lief übrigens einen neuen Streckenrekord, unter einer Stunde für den Halbmarathon. Schnelle Zeiten sind also möglich auf dieser Strecke.

Neben dem Halbmarathon war es auch möglich, 10km zu laufen. Und für die Schüler gab es ein Klassenduell. Für den Startpreis von CHF 50 (Halbmarathon) bekam jeder Läufer ein schönes Laufshirt von asics, eine Isostar-Plastikflasche, diverse Müsterli, Gutscheine, ein Laufsäckli, natürlich einen Startplatz inkl. Verpflegung, musikalische Unterhaltung auf der Strecke sowie im Ziel. Eine tolles Angebot. Zudem wurde für die Reisenden mit Auto ein Shuttlebus vom Parkplatz in Kägiswil zum Start angeboten. Sehr gute Organisation! Und nach dem Lauf konnte man Bilder sowie ein Video von sich als Läufer anschauen. Das wirklich schön gestaltete Video konnte man auch gleich auf Facebook teilen. Coole Sache!

Ich war letztes Jahr schon dabei und ich werde auch nächstes Jahr wieder dabei sein! Ihr auch? Nächstes Jahr findet übrigens auch die Schweizer Meisterschaft im Halbmarathon gleichzeitig statt!

Mehr Infos zum Lauf gibt es auf http://www.switzerlandmarathonlight.ch

Switzerland Marathon Light

Bild vom Switzerland Marathon Light 2015 (Foto: ascics / Ochsner Sport)